Johann Heinrich Löffler

J. H. LöfflerJohann Heinrich Löffler, langjähriger Lehrer, Organist und Dirigent in Pößneck, Komponist und Heimatdichter, wurde am 1. März 1833 in dem Dörfchen Oberwind bei Eisfeld geboren. Sein Vater war Kleinbauer und Leineweber und bekleidete Jahre hindurch das Amt eines Schultheißen.


Schon frühzeitig wurde der junge Löffler für den Lehrerberuf vorbereitet und erhielt vom 8. Lebensjahre an Unterricht im Klavierspiel und später im Orgelspiel. Von 1850 bis 1853 besuchte er das Landeslehrerseminar in Hildburghausen und erteilte hier schon als Seminarist wöchentlich 11 Stunden Privatunterricht im Klavierspiel. Nach seinem Abgang vom Seminar wirkte er mehrere Jahre als Hauslehrer und Vikar und wurde 1863 als Lehrer und Organist in Pößneck eingestellt. Fleiß, ungewöhnlicher Fleiß, und unermüdliche Strebsamkeit zeichneten sein Leben aus.


Über seine Arbeitswoche berichtete J. H. Löffler selbst:


„Neben meinen 32 Schulstunden hatte ich 24 bis 30 Klavierstunden zu erteilen, unmittelbar darauf die Soloproben und dann bis 11 Uhr die Chorproben im Gesangverein zu bewältigen. Nach etlichen Stunden Schlaf musste ich Sonntag früh zur zweistündigen Fortbildungsschule eilen, und zwischen 9 und 3 Uhr hatte ich in zwei Gottesdiensten die Orgel zu spielen. Man lese die voranstehenden Sätze recht bedachtsam! Dabei wollte ich aber aus der Literatur nicht herauskommen, und die Perlen der Weltliteratur musste ich kennenlernen.“ Diese Notiz aus der Selbstdarstellung Löfflers ist kulturgeschichtlich interessant.

 

Der Löfflersche Gesangverein

Der Löfflersche Gesangverein im Jahre 1873. Aufnahmen:
„Heimat im Bild“, Gerold-Verlag Pößneck


Die Liebe zur Musik und zur Sagenwelt führte J. H. Löffler hin zu Richard Wagner und machte ihn zu seinem begeisterten Verehrer und zu einem eifrigen Vorkämpfer seiner Sache. Von 1874 an veröffentlichte der Pößnecker Lehrer und Kantor eine Reihe Aufsätze in dem „Musikalischen Wochenblatt“ (Leipzig) über die Schöpfungen Wagners. Von 1878 an erschienen seine Beiträge in den „Bayreuther Blättern“ sowie im „Grenzboten“. Durch diese Mitarbeit an bedeutenden Fachzeitschriften wurde J. H. Löffler in weitesten Kreisen bekannt, und in dem Musiklexikon wurde er als Wagneriana geführt. Die Festspiele in Bayreuth wurden von ihm seit dem Jahre 1876 regelmäßig besucht. Er war 1879 sogar Gast im Hause des berühmten Komponisten. Von diesem persönlichen Zusammentreffen mit dem großen Meister wusste Löffler begeistert zu berichten. In Pößneck kam es auf seine Anregung hin zur Gründung eines Wagner-Vereins, der sich u. a. als Ziel gesetzt hatte, für jeweils 10 bis 20 Mitglieder die Bayreuther Festspiele inhaltlich und musikalisch vorzubereiten und ihren Besuch zu organisieren.

 

J. H. LöfflerDoch Johann Heinrich Löffler war nicht nur Musiker, der nach seinen eigenen Worten einen „Schiebkarren voll Musik“ (Lieder, Sonaten, größere Chor- und Orgelwerke) komponierte, sondern vielmehr und in höheren Maße noch Dichter, der in seiner Gemütstiefe und in seinem Gedankenreichtum an Wilhelm Raabe erinnert. Sein Hauptwerk „Martin Bötzinger“ erschien 1925 noch in einer neuen Auflage. Namhafte Schriftsteller seiner Zeit haben das Buch, eine Erzählung aus dem Dreißigjährigen Krieg, gerühmt. Auch in der oberfränkischen Erzählung „Madlene“ kommt Löfflers dichterische Natur trefflich zum Ausdruck. Er hatte mit der Erzählung im Sinne, ein echtes Volksbuch zu schaffen, wobei ihm Vorbilder wie Otto Ludwig und Peter Rosegger vorschwebten. Im Jahre 1903 erschien noch ein weiteres Heimatbuch des schriftstellernden Pößnecker Lehrers, nämlich „Jakob Querengässer“, ein heimatliches Kulturgemälde, humorgewürzt und von tiefen Gedanken erfüllt.


Im Jahre 1902 schied Löffler 69jährig aus dem Schuldienst und verstarb schon ein Jahr darauf am 5. April 1903. Seine Freunde und Verehrer ließen an seinem Wohnhaus am Oberen Graben Nr. 8 fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tode eine Gedenktafel aus Bronze anbringen, eine Schöpfung des heimischen Bildhauers Oskar Lindenberg.


Auch am Geburtshaus Löfflers, in Oberwind befindet sich heute noch eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Heimatdichter.

 

Würdigung von Hermann Müller und Richard Förtsch (aus dem „Pößnecker Heimatbuch“)